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Westbahnhof

Europaplatz 2
1150 Wien

Am 15. April 1945 fand im Direktionsgebäude des Westbahnhofs die Gründungsversammlung für den überparteilichen Österreichischen Gewerkschaftsbund statt. Der ehemalige Vorsitzende der Österreichischen Baugewerkschaft Johann Böhm (1886-1959) wurde von den sozialdemokratischen, kommunistischen und christlichen Gewerkschaftern zum Vorsitzenden vorgeschlagen.

In den letzten Kriegstagen im April 1945 schlagen am Westbahnhof Bomben ein, das Hallendach stürzt ein, das Gebäude brennt fast vollständig aus, nur einige Säle im Direktionsgebäude blieben unbeschädigt. In einem der Säle treffen sich am 15. April 1945 Gewerkschafter, um den überparteilichen Österreichischen Gewerkschaftsbund zu gründen. Der Baugewerkschafter Johann Böhm (1886-1959, SPÖ) wird Vorsitzender, der ehemalige Sekretär der Christlichen Gewerkschaften Österreichs Lois Weinberger (1902-1961, ÖVP) und der ehemalige Vorsitzende der Leder- und Schuharbeitergewerkschaft Gottlieb Fiala (1902-1970, KPÖ) werden seine Stellvertreter.

Der Gründung war in den Tagen davor Treffen und zahlreiche Debatten vorangegangen. Später sagt Böhm über die Gründung, dass der Grundstein für die Weiterentwicklung der Gewerkschaften gelegt und die vorgenommene Arbeit nicht leicht sei, liege doch alles in Trümmern. Man könne nicht im Sturmschritt den ArbeiterInnen das bringen, was sie mit Recht fordern. Er ginge aber mit Freude an die Arbeit. Die Gewerkschafter kümmern sich in den folgenden Monaten um die Verteilung von Schuhen und Lebensmitteln an die Bevölkerung, um die Rohstoffversorgung für die Produktionsstätten und unterstützen die ArbeiterInnen in den nach Kriegsende herrenlos gewordenen Betrieben.

Doch 1945 fehlen viele in den Reihen der GewerkschafterInnen; jene, die in der Ersten Republik im 1928 gegründeten "Bund der Freien Gewerkschaften" die Grundsteine der heutigen Organisation legten; jene, die schon vor dem Zweiten Weltkrieg, während der Ständestaatdiktatur im "Bund der illegalen Gewerkschafter" im Untergrund arbeiteten.

"Illegalität"

Noch während der Februarkämpfe 1934 verbietet das Regime unter Bundeskanzler Engelbert Dollfuß (1892-1934) die Gewerkschaften, die Sozialdemokratische Partei Österreichs und alle ihre Vorfeldorganisationen. Die Einheitsgewerkschaft wird gegründet und der christlich-soziale Politiker Johann Staud (1882-1939) wird deren Präsident. Am 27. April 1934 erlässt die Regierung eine Verordnung, mit der das gesamte Vermögen der Freien Gewerkschaften auf die Einheitsgewerkschaft übertragen wird.

Die freien GewerkschafterInnen agieren in der Illegalität weiter und versuchen noch am Vorabend des "Anschlusses", mit der Regierung Schuschnigg zu verhandeln. Sie bieten ihre Unterstützung im Kampf gegen die Nationalsozialisten an. Doch die Regierung zeigt sich nicht verhandlungsbereit.

"Prominententransport"

Gleich nach dem "Anschluss" am 12. März 1938 findet die Gestapo in den Ämtern penible Aufzeichnungen über die illegalen GewerkschafterInnen, über SozialistInnen und KommunistInnen. Eine Verhaftungswelle beginnt. Zwischen 13. und 21. März 1938 werden rund 75.000 Menschen von der Gestapo verhaftet: Vertreter des "vaterländischen Regimes", die vom NS-Regime für die Verfolgung der illegalen Nationalsozialisten zwischen 1933 und 1938 verantwortlich gemacht werden; KommunistInnen, SozialistInnen, NS-GegnerInnen, GewerkschafterInnen und Jüdinnen. Viele werden ins Polizeigefängnis auf der heutigen Roßauer Lände gebracht, auch jene Männer, die am 1. April 1938 vom Westbahnhof im sogenannten "Prominententransport"; ins Konzentrationslager Dachau deportiert werden.

Unter den 150 Männern waren der sozialdemokratische Politiker Robert Danneberg (1885-1942, gestorben im KZ Auschwitz), der spätere kommunistische Kulturstadtrat Wiens (1945-1949) Viktor Matjeka (1901-1993), der zukünftige Vorsitzende der Gewerkschaft der Bau- und Holzarbeiter (1949-1957), ÖGB-Präsident (1959-1963) und Innenminister (1963-1964) Franz Olah (1910-2009), der ehemalige Vorsitzende der ständestaatlichen Einheitsgewerkschaft (1934-1938) Johann Staud (1882-1939, gestorben im KZ Flossenbürg), der militärische Führer des sozialdemokratischen Republikanischen Schutzbundes Alexander Eifler (1888-1945, gestorben im KZ Dachau).

Mahnmal und Gedenktafel

Mahnmal für das Kind: (1988/Ebene 0): Nach dem Novemberpogrom 1938 nahmen Familien in Großbritannien 10.000 jüdische Kinder aus Österreich, Deutschland, Polen und der Tschechoslowakei auf. Viele von ihnen reisten vom Westbahnhof ab. Die Aktion endete mit dem Überfall Hitlers auf Polen im September 1939.

Gedenktafel: "Niemals vergessen" (1988/Ebene 1): (1988/Ebene 1): Nach dem „Anschluss“ Österreichs an das nationalsozialistische Deutschland im März 1938 begann in Österreich eine Verhaftungswelle. Am 1. April 1938 wurden 150 Politiker und Gewerkschafter vom Westbahnhof, zynischerweise auch als „Prominententransport“ bezeichnet, in das Konzentrationslager Dachau deportiert. Darunter waren der spätere ÖGB-Mitbegründer Julius Uhlirs (1894-1968), der spätere Vorsitzende der Gewerkschaft der Bau- und Holzarbeiter, ÖGB-Präsident und Innenminister Franz Olah (1910-2009), der spätere Bundeskanzler Leopold Figl (1902-1965) und der ehemalige Vorsitzende der austrofaschistischen „Einheitsgewerkschaft“ Johann Staud (1882-1939).
1988 wurde im Westbahnhof eine Gedenktafel auf der Ebene 1 für die mit dem ersten Transport nach Dachau deportierten Gestapo-Häftlinge enthüllt. Diese Gedenktafel wurde nach der Renovierung des denkmalgeschützten Bauwerks auf der oberen Ebene wieder angebracht.

Am Weg zur Kenyongasse:

Das Hesser-Denkmal erinnert an ein Gefecht bei der Schwarzlackenau am 13. Mai 1809: Napoleons Truppen wurden an die Überquerung auf das linke Donauufer verwehrt. Das Denkmal wurde von der Arbeiter-Zeitung scharf kritisiert. Es wurde am 19. Mai 1909 vom Kaiser anlässlich des 100-Jahr-Jubliäums der Schlacht von Aspern enthüllt.

Stollgasse: 1896 benannt nach dem Mediziner Maximilian Stoll (1742-1787). Er arbeitete im Allgemeinen Krankenhaus und beschäftigte sich mit epidemisch auftretenden Fieberkrankheiten und führte vollständig fortgeschriebene Krankenakten ein. Er wurde Leibarzt von Fürst Wenzel Anton Kaunitz. Er starb mit nur 45 Jahren in Wien.

Quellen: Josef Hindels, Österreichs Gewerkschaften im Widerstand 1934-45, Europaverlag, 1976

Fritz Klenner, Brigitte Pellar, Die österreichische Gewerkschaftsbewegung, von den Anfängen bis 1999, ÖGB Verlag, 1999

Christoph Auer, Das Verhältnis zwischen den illegalen Gewerkschaftern und der Einheitsgewerkschaft im Ständestaat Universität Wien, Diplomarbeit, Wien 2011

Wolfgang Neugebauer, Peter Schwarz, Stacheldraht, mit Tod geladen ". Der erste Österreichertransport in das KZ Dachau 1938, Herausgegeben von der Arbeitsgemeinschaft der KZ-Verbände und Widerstandskämpfer Österreichs, 2008

Franz-Josef Lackinger Geschichte der österreichischen Gewerkschaftsbewegungen seit 1945, 2014

www.dasrotewien.at (abgerufen am 08.04.2015)

Friedrich Vogl/ Ernst Ulbrich: Österreichs Eisenbahner im Widerstand, Wien 1968; 100 Jahre Gewerkschaft der Eisenbahner, Wien, 1992


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