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Wohnung Josef Battisti

Kenyongasse 3
1070 Wien

Die Gedenktafel (seit 2005) erinnert an die ersten Treffen der Gewerkschafter ab dem 11. April 1945. Während in Teilen Wiens noch gekämpft wurde, planten in der kleinen Wohnung des Baugewerkschafters Josef Battisti (1900-1990) bis zu 25 Gewerkschafter die Gründung des Österreichischen Gewerkschaftsbundes. Ein auf Vorschlag Johann Böhms gebildeter Ausschuss begann mit der Ausarbeitung der Statuten.

Die "Schlacht um Wien" tobt noch, als sich der Baugewerkschafter Johann Böhm (1886-1959) auf den Weg macht, um seinen Gewerkschaftskollegen Josef Battisti (1900-1990) in der Kenyongasse zu besuchen. Böhm geht durch die zerbombte Stadt, an Bergen von Schutt und Bombenkratern vorbei, um Leichen herum. Aber der 59jährige Maurer und ehemalige Bauarbeiterfunktionär hat ein Ziel, er will seine früheren Gewerkschaftskollegen kontaktieren. Am 11. April 1945 klopft er an die Tür der kleinen Wohnung von Josef Battisti (1900-1990) "Ich muss schauen, wie es euch geht", soll er zu Battisti gesagt haben. Dieser beruhigt seinen Freund, es habe in den letzten Tagen nur Schießereien gegeben, aber es ginge ihnen gut.

Die Beiden hatten schon in der Ersten Republik gemeinsam für die Baugewerkschaft gearbeitet. Battisti ist seit seiner Lehrzeit Gewerkschaftsmitglied, arbeitete in den 1920er Jahren als Sekretär der Bauarbeitergewerkschaft und übernahm nach den Februarkämpfen 1934 in der illegalen Gewerkschaftsbewegung eine führende Rolle. In der NS-Zeit hält er so gut es geht Kontakt zu Gewerkschaftern aller Richtungen.

Während die beiden sich unterhalten, klopft Franz Pfeffer von der Gewerkschaft der Holzarbeiter an die Tür, später kommt noch der ehemalige Redakteur der Gewerkschaftszeitung "Bau- und Holzwirtschaft" Anton Vitzhum dazu. Böhm sagt zu ihnen: "Die Nazis sind aus Wien weg, wir fangen wieder mit der Gewerkschaftsarbeit an" und schlägt vor, sich am nächsten Tag wieder in der Wohnung zu treffen. Doch am nächsten Tag verspätet sich der sonst pünktliche Böhm. Vitzhum meint, er könne im Rathaus sein, dort würde man beratschlagen, wer der neue Wiener Bürgermeister werde.

Battisti, als der jüngste der Kollegen, macht sich auf den Weg zum Rathaus, findet aber Böhm nicht. Wieder in der Kenyongasse treffen sie sich. Böhm trägt einen Arm in einer Schlinge. Auf der Hütteldorfer Straße war er von einem sowjetischen Soldaten angehalten und in einen Betrieb geführt worden, um dort zu arbeiten. Böhm konnte wegen seiner "Verletzung" aber nicht arbeiten, und man ließ ihn schließlich gehen. Darum die Verspätung. In Battistis Wohnung entfernt Böhm die Schlinge. Der Arm war vollkommen gesund.

Immer mehr Kollegen treffen in der kleinen Wohnung ein. Auch Gewerkschafter, die Battisti nicht kennt. Im nur 16 m² großen Wohnzimmer diskutieren bis zu 25 Menschen, wie der kommunistische Gewerkschafter Gottlieb Fiala (1891-1970) und aus dem christlich-sozialen Lager Lois Weinberger (1902-1961) über die Zukunft der Gewerkschaften. Nach vielen Debatten einigen sie sich für einen einheitlichen Österreichischen Gewerkschaftsbund.

Die Gewerkschafter beschließen, einen vorbereitenden Ausschuss zu bilden, der bis zum 15. April die Statuten ausarbeiten soll. Gerne nehmen sie das Angebot eines Eisenbahngewerkschafters an, der sagte: "Kommt zu uns in das Direktionsgebäude, einige der Säle sind noch in Ordnung."

Am 13. April geht Josef Battisti in die Schottenfeldgasse 24 und bringt am Gebäude ein Schild an: "Eigentum des Gewerkschaftsbundes."

Umgebung: Zusatzinfo:

Die Kenyongasse wurde 1892 nach Eugenie Sophie Gräfin Kenyon-Turovsky (1806-1877) benannt. Sie hatte einen Großteil ihres Vermögens in die Gründung des Sophienspitals investiert. Es wurde 1879/80 errichtet und nach der Erzherzogin Sophie benannt. Heute ist es ein Pflegezentrum im Besitz der Stadt Wien.

Zurück auf die Stollgasse und Richtung stadteinwärts. Hinweis: über die Stollgasse wurde 1955 ein Gemeindebau errichtet. An der Stützkonstruktion sind Steinreliefs des Bildhauers Josef Riedl zu sehen. Sie stellen Szenen aus der Arbeitswelt (Bauarbeiter) und eine imaginäre Naturidylle dar.

Quelle: Josef Battisti erinnert sich an die Gründung des ÖGB (abgerufen am 08.04.2015)


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ÖGB-Gründung

von ÖGB

Gründungsfoto: Lois Weinberger, Johann Böhm und Gottlieb Fiala, 1945

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Gründung des ÖGB in der Wohnung von Josef Battisti

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