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Ehemaliges Cafe Brauner

Reichratstraße 3
1010 Wien

Im ehemaligen Gasthaus „Brauner“ trafen sich bis 1903 die Mitglieder von Fachvereinen, die vielfach Vorläufer der heutigen Gewerkschaften waren: von den Schmieden, MusikerInnen über die Versicherungsangestellten und Schwerfuhrwerker bis hin zu den Selcher- und Fleischergehilfen.

VerkäuferInnen, Handelsgehilfen und kaufmännische Bürokräfte sind im späten 19. Jahrhundert noch von den wenigen schon existierenden Arbeiterschutzgesetzen ausgenommen. 1892 wird die erste Angestelltengewerkschaft gegründet, der "Verein der kaufmännischen Angestellten". Gründer sind die Angestellten-Gewerkschafter Karl Pick (1867-1938) und Julius Bermann (1868-1943) sowie der Chefredakteur der Arbeiter-Zeitung Friedrich Austerlitz (1862-1931). Der Litograf und Redakteur Richard Seidel (1882-1951) organisierte die Industrieangestellten, Josef Petersilka die Sozialversicherungsangestellten, der Konsumgenossenschafter Otto Maresch (1886-1945) die Gutsangestellten der Finanzpolitiker Hugo Breitner (1873-1946) und der Sekretär des Reichsvereins der Bank- und Sparkassenbeamten Österreichs Heinrich Allina (1878-1953) die Bankangestellten.

Gemeinsam erkämpfen sie 1907 das Pensionsgesetz für ArbeitnehmerInnen, 1910 das "Gesetz über den Dienstvertrag der Handlungsgehilfen und anderer Dienstnehmer in ähnlicher Stellung," womit ein eigenes Dienstrecht für die kaufmännischen Angestellten geschaffen wird. Meilensteine sind der Kündigungsschutz, Krankengeld und Urlaubsregelungen. 1921 wird im Angestelltengesetz auch die Entgeltfortzahlung, der Urlaubsanspruch, eine längere Kündigungsfrist und die Abfertigung festgelegt.

Nach dem Bürgerkrieg 1934, in der Zeit der Illegalität, und auch während des Faschismus verlassen viele GewerkschafterInnen das Land, werden verfolgt, verhaftet oder in Konzentrationslager deportiert.

Treffpunkt verschiedener Vereine:

Am 25. Jänner 1891 konstituiert sich hier im ehemaligen Gasthaus Brauner der Unterstützungs- und Fortbildungsverein der Schmiede Niederösterreichs, einer der wichtigen Vereine, die am Beginn der gewerkschaftlichen Organisation der MetallarbeiterInnen standen.

Der "Verein der Versicherungsangestellten Österreichs" hält hier seine konstituierende Versammlung am 1. Juni 1901 ab, der schließlich die ganze westliche Reichshälfte der Habsburgermonarchie umfasst. Die Vereinsmitglieder nutzen die Lokalität aber auch für Protestversammlungen wie zum Beispiel 1903, um ihrer Forderung nach Einführung der Sonntagsruhe Nachdruck zu verleihen.

Ein weiterer Verein, der später auch zur Gewerkschaft der Privatangestellten gehören wird, ist der Bund der technischen Beamten. Hier befand sich auch der Treffpunkt des "Verbandes der Unterstützungs-, Fach- und Gewerkschaftsvereine der Arbeiter in der Nahrungs- und Genussmittelindustrie" (Industrieverband). Er bestand von 1894-1902 und verband die vielen bis dahin getrennten Fachvereine dieser Branche.

Die Mitglieder der Musikerorganisationen trafen sich hier zwischen 1892 und 1899 besonders häufig. Auch die Schwerfuhrwerker, die Selcher- und Fleischergehilfen und die Straßenbahner kommen in den Jahren vor 1900 hier zusammen.

Quelle: Brigitte Pellar, Eine andere Geschichte Österreichs, GPA-djp, Verlag des ÖGB, 2014

Brigitte Pellar, Geschichte-nicht ohne uns, Die ersten 100 Jahre Gewerkschaft Agrar, Nahrung, Genuß, mohl verlag, 1992

85 Jahre Frauenwahlrecht auf Ariadne (abgerufen am 08.05.2015)


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