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Gedenktafel Wallisch und Kanitz

Reichsratstraße
1010 Wien

Der Gewerkschafter und sozialdemokratische Arbeiterführer Koloman Wallisch (1889-1934) wurde nach dem Bürgerkrieg 1934 von den Austrofaschisten am 19. Februar 1934 in Leoben hingerichtet. Der Erziehungsreformer Otto Felix Kanitz (18941940) wurde von den Nationalsozialisten 1940 in Auschwitz ermordet.

Gedenktafel für Otto Felix Kanitz (1894-1940)

Otto Felix Kanitz wird als Sohn eines jüdischen Wiener Hof- und Gerichtsadvokaten 1894 geboren, seine Eltern lassen sich 1902 scheiden, und der Bub wächst in einem k.k. Waisenheim auf. Bereits 1911 engagiert sich der junge Mann für den Wahlkampf des Schöpfers der Sozialreportage, Reichsratsabgeordneten (1911-1918) und Sozialdemokraten Max Winter (1870-1937). Die Kampagne war erfolgreich.

Kanitz maturiert 1918, arbeitet als pädagogischer Referent bei den Kinderfreunden und beginnt, Philosophie und Pädagogik zu studieren. 1919 gründet er in den verlassenen Kriegsbaracken in Gmünd ein Ferienlagen und die erste "Kinderrepublik" Österreichs. Die Kinder wählen demokratisch Kindervertrauensleute und üben sich im Kinderparlament.

Er wird Leiter der Schönbrunner Erzieherschule samt Kinderheim für gefährdete Schulkinder und ist ein Wegbereiter der modernen Pädagogik und fortschrittlichen Erziehung.

Schon in den 1920er-Jahren engagiert er sich für die sozialistische Arbeiterjugend und wird 1926 Obmann der Wiener SAJ und schließlich 1930 Bundesobmann. Von 1932 bis 1934 ist Kanitz Mitglied des Bundesrates, der auch nach der Ausschaltung des Nationalrats im März 1933 noch weiter besteht. Nach den Februarkämpfen 1934 flieht er nach Brünn. Doch das Heimweh plagt ihn, und er kehrt zurück. Im November 1938 wird er wegen seiner jüdischen Abstammung und seiner Mitgliedschaft bei den Revolutionären Sozialisten von der Gestapo verhaftet und in das KZ Buchenwald gebracht, wo er am 29. März 1940 stirbt.

Koloman Wallisch (1889-1934)

Koloman Wallisch wird 1889 in Lugosch (Österreich-Ungarn) geboren. Sein Vater stirbt früh, Wallisch muss die Schule verlassen und beginnt mit elf Jahren eine Maurerlehre. 1905 tritt er der Gewerkschaft bei, und nach seinem Lehrabschluss geht er auf die Walz. Er reist durch Österreich und Deutschland. 1910 wird er zum dreijährigen Militärdienst eingezogen, und ab 1914 dient er in der k.u.k. Armee.

Nach Ende des Ersten Weltkrieges kehrt Wallisch in das von der Entente besetzte Banat zurück. Streikwellen, Antikriegsdemonstrationen und Landbesetzungen erschüttern das Land. Die linken Sozialdemokraten - denen Wallisch angehört - bilden ein eigenes Revolutionäres Exekutivkomitee (REK), gründen eine Rote Armee und rufen in der Stadt Szeged die Diktatur des Proletariats aus. Sie erstellen Listen mit Nahrungsmitteln, um sie gerecht unter der Bevölkerung aufzuteilen, verabschieden ein Gesetz für die Pflichtversicherung der Arbeiter, und in den Schulen sollte nach sozialistischen Grundsätzen unterrichtet werden. Die Großgrundbesitzer werden aufgefordert, ihre Äcker zu bestellen, sonst drohe ihnen Enteignung. Zur Durchsetzung der Maßnahmen formieren Gewerkschaften und Soldaten eine Hilfspolizei, die "Volkswache".

Der französischen Besatzungsmacht geht das zu weit, und sie stellt ein Ultimatum. Die REK ignoriert es und unterliegt den besser bewaffneten Franzosen. Die Kommune bestand nur fünf Tage. Wallisch flieht, wird dann aber doch in das Präsidium des lokalen Arbeiter-, Soldaten- und Bauernrates gewählt. Doch die auch ungarische Räterepublik gerät im Sommer 1919 immer mehr unter Druck. Schließlich muss Wallisch wieder fliehen. Er geht nach Maribor in Jugoslawien, versucht Streiks zu organisieren, wird aber ausgewiesen und landet schließlich in Bruck an der Mur.

Wallisch wird Parteisekretär im Gemeinderat, später Landesparteisekretär der SDAP (1933), steirischer Landtagsabgeordneter und von 1930 bis 1934 Abgeordneter im österreichischen Nationalrat (1930-1934). Nach dem Justizpalastbrand (1927) rufen die Sozialdemokraten zu einem Generalstreik auf. Wallisch übernimmt in Bruck an der Mur die Macht in einem "Arbeiter-Exekutiv-Ausschuss", untersagt alle Versammlungs- und Vereinstreffen und lässt die Verkehrswege nach Graz und Wien sperren. Der eintägige Streik wird friedlich beendet, doch Wallischs eigenmächtiges Vorgehen bringt ihm innerparteilich heftige Kritik ein.

Im Februar 1934 übernimmt Wallisch die Führung des Republikanischen Schutzbundes in Bruck an der Mur, der während des Bürgerkrieges zeitweise die Stadt übernehmen kann. Der Brucker Schutzbund ist wohl der einzige in ganz Österreich, der innerhalb von Minuten das Gebiet - außer Mariazell - besetzen kann. In Bruck an der Mur wird die Gendarmarie ausgeschaltet.

Das Bundesheer rückt an, und Wallisch zieht sich mit 320 Schutzbundangehörigen in die Berge zurück. Ein Kopfgeld (5000 Schilling) wird auf ihn ausgesetzt. Am 18. Februar wird er festgenommen, verhört und von einem Standgericht zum Tode verurteilt. Am 19. Februar wird Koloman Wallisch in Leoben gehängt.

Quellen: Österreichisches Biographisches Lexikon 1815-1950, Band 3, Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 1965, S. 216

Hg. SPÖ Bruck/Mur, Koloman Wallisch. 50 Jahre 12. Februar 1934, Bruck/Mur, 1984

Hermann Lackner: Der Brucker Schutzbund auf döw.at (abgerufen am 08.04.2015)

Wikipedia: Koloman Wallisch (abgerufen am 08.04.2015)


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Otto Felix Kanitz und Koloman Wallisch

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Koloman Wallisch 1934 vor seiner Hinrichtung

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