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Palais Auersperg

Auerspergstraße 1
1080 Wien

1944/45 versteckten sich im Palais Auersperg die Widerstandskämpfer der O5-Bewegung. Sie planten Sabotageakte und verhandelten im April 1945 mit den Alliierten. In den Büros der Widerstandsbewegung O5 trafen sich bereits am 7. Mai 1945 die ersten Theaterschaffenden, um eine Bühnengewerkschaft zu errichten.

Das zwischen 1706 und 1710 von Johann Bernhard Fischer von Erlach errichtete Barockpalais wechselt recht häufig die Besitzer. Im Zweiten Weltkrieg bewohnt Christiane Croy mit ihrer Familie die oberen Räume des Palais. Hier verstecken sich auch seit 1944 Mitglieder der von Hans Becker gegründeten Widerstandgruppe "Provisorisches österreichisches Nationalkomitee" - oder O5 (5 für den Buchstaben E im Alphabet somit: OE das Kürzel für Österreich). 1945 wird das Gebäude von der Interallierten Militärpolizei beschlagnahmt und als Hauptquartier benutzt. Heute wird es als Eventlocation benutzt.

Eine Gedenktafel erinnert noch an die Widerstandsgruppe O5. Das Symbol stammt von dem Medizinstudenten Jörg Unterreiner und wird ab dem Frühherbst 1944 an Haus- und Kirchenwände gemalt.

Die Mitglieder der überparteilichen Widerstandsgruppe gegen den Nationalsozialismus sind Söhne aus großbürgerlichen Familien, ehemaliger Hochadel wie Willi Thurn und Taxis, aber auch der Journalist und Verleger Fritz Molden (1924-2014) und der spätere Bundespräsident (1957-1965) Adolf Schärf (1890-1965). Die Gruppe kooperiert mit Major Carl Szokoll (1915-2004) und seiner militärischen Widerstandsgruppe.

Fritz Molden und der Sozialdemokrat und spätere Botschafter in Paris, Washington und Brüssel Ernst Lemberger (1906-1974) nehmen im Sommer 1944 im Auftrag der O5 mit den US-Alliierten Kontakt auf. Molden kommuniziert mit Allan W. Dulles, dem Leiter des OSS in Bern. Der sowjetische Verbindungsoffizier beim alliierten Hauptquartier in Paris meldet die Kontaktaufnahme nach Moskau, worauf Stalin den sowjetischen Truppen in Österreich den Auftrag gibt, den zukünftigen Bundespräsidenten (1945-1950) Karl Renner (1870-1950) schnellstmöglich zu finden.

Im Februar 1945 gründet die O5 den sogenannten "Siebener-Ausschuss", Ende März erlässt sie eine Proklamation an das österreichische Volk, indem sie zu Sabotagehandlungen aufrief und Anfang April verteilt sie Flugblätter, in denen sie die Bevölkerung auffordert, die Sowjetische Armee zu unterstützen und ihnen die deutschen Stellungen bekannt zu geben, um weitere Zerstörungen zu verhindern. In der Nacht vom 13. auf den 14. April 1945 verhandelt ein Repräsentant der O5 mit Offizieren der Roten Armee. Man hoffte vergebens, dass sie die 05 als Allparteien-Einheitsverwaltung in Österreich akzeptiert.

In den Büros der Widerstandsbewegung 05 treffen sich bereits am 7. Mai 1945 die ersten Theaterschaffenden, um eine Bühnengewerkschaft zu errichten.

Am Stephansdom ist heute noch das Zeichen der O5 zu sehen. Ursprünglich nur aufgemalt wurde es später eingraviert. Weiter entlang der Auerspergstraße bis zum Landesgericht.

Quelle: Gerhard Jagschitz, Regierungs- und Verwaltungsaufbau in Österreich 1945 im Spannungsfeld sowjetischer Besatzung, in: Sowjetisierung oder Neutralität? Optionen sowjetischer Besatzungspolitik in Deutschland und Österreich 1945-1955, Hg: Andreas Hilger, Mike Schmelitzner, Clemens Vollnhals

Walter Göhring, Auf dem Weg zur Kultur-Partnerschaft, 1000 Daten, Eisenstadt 1986, Walter Göhring, Auf dem Weg zur Kulturpartnerschaft, 1000 Daten, edition roetzer, 1986


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Gedenktafel am Palais Auersperg

von ÖGB