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Wohnung Karl Höger

Burggasse 57
1070 Wien

Hier lebte der sozialdemokratische Druckergewerkschafter und „Vorwärts“-Redakteur Karl Höger (1847-1913). Er war Pionier der Druckerbewegung und der Arbeiter-Radfahrbewegung sowie Gründer des Arbeiterchors „Freie Typographia“. Höger trat für die Beschränkung der wöchentlichen Arbeitszeit auf 60 Stunden ein und forderte, dass 16- bis 18-Jährige nur mehr acht Stunden am Tag arbeiten sollen. Diese Forderungen brachten ihm den Ruf eines Sozialutopisten ein.

Karl Höger (1847-1913)

Karl Höger beginnt bereits mit zwölf Jahren (1859) eine Lehre als Buchdrucker, um die "ehrsambe" Kunst Gutenbergs zu erlernen, und arbeitet später als Setzer, Metteur und Korrektor. Schon früh bemüht er sich um die gewerkschaftliche Organisation seiner Kollegen. Höger wechselt oft seine Arbeitsplätze. Häufig wird ihm wegen seines Engagements für bessere Kollektivverträge von den Arbeitgebern gekündigt. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts gelingt es Höger und seinen Genossen schließlich, eine sozialdemokratische Mehrheit in der Vertretung der Buchdrucker zu sichern. In einer Zeit, als "die Arbeiter und ihre Vereine nicht den geringsten Schutz hatten, rechtlos waren und überall polizeiliche Willkür herrschte."

1877 wird er Redakteur der Gewerkschaftszeitung "Vorwärts". Nach der Verurteilung des verantwortlichen Redakteurs Laube tritt Höger dessen Nachfolge an.

1880 wird der Wohltätigkeitsverein gegründet, und Höger wird zum Obmann bestellt. Im gleichen Jahr versuchen die Buchdrucker, durch einen achtwöchigen Streik Lohnverbesserungen zu erreichen. Doch der Streik ist erfolglos, wohl auch, weil den Streikenden das Geld ausgeht. Auf Betreiben Högers wird eine Widerstandskassa gegründet. Im Dezember 1890 wird der Gesangsverein "Freie Typographia" ins Leben gerufen. "Gleich beim ersten Auftreten in der Öffentlichkeit konnten die massenhaft erschienen Freunde und Genossen ersehen, "welch sorgfältiger Aufmerksamkeit seitens der Polizei sich der neue Arbeitergesangverein zu erfreuen hatte." Die Ausgabe von Programmen wird verboten, einige Strophen verschiedener Freiheitschöre dürfen nicht gesungen werden. Während der Zeit von Högers Obmannschaft des Gesangvereins "besuchte die Polizei die Auftritte und Proben regelmäßig." Alle Schikanen der Polizei richten sich gegen die Kampf- und Freiheitslieder, und bei fast jeder Aufführung kommt es zu Konfiskationen.

1892 wird Höger wegen "Störung der öffentlichen Ruhe" angeklagt, er wird beschuldigt, in zwei Reden über die Lebensmittelteuerung zu Hass und Verachtung gegen die Staatsverwaltung sowie die bestehende Regierungsform aufgereizt, zu Feindseligkeiten gegen die besitzende Klasse aufgefordert und den Wiener Magistrat herabgewürdigt zu haben. Höger verteidigt sich selbst in einer stundenlangen Rede. Er wird freigesprochen.

Aber 1894 wird Karl Höger wegen einer Rede, die er vor einer Versammlung von Metallarbeitern gehalten hatte, zu zwei Monaten strengem Arrest mit einem Fasttag verurteilt. Im selben Jahr genehmigt das Innenministerium die Statuten des Buchdruckerverbandes, das jahrelange Ringen der Buchdrucker nach einer einheitlichen Organisation hatte endlich zum Erfolg geführt.

Seit 1903 arbeitet Höger als Drucker beim Vorwärts-Verlag und kandidiert 1907 - vorerst ohne Erfolg - für den Reichsrat. Als durch den Rücktritt eines Abgeordneten eine Nachwahl notwendig geworden war, wird Höger neuerlich als Kandidat nominiert und diesmal zum Abgeordneten des Reichrats gewählt, dem er bis zu seinem Tod 1913 angehört. Er tritt für die Beschränkung der wöchentlichen Arbeitszeit auf 60 Stunden ein, 16- bis 18-jährige sollten überhaupt nur acht Stunden am Tag arbeiten. Dieser Forderungen genügten, um Höger den Nimbus eines Sozialutopisten zu verschaffen.

Karl Höger war auch Pionier der Arbeiterradfahrbewegung.

Weiterer Gedenkort

Im 11. Bezirk wurde zwischen 1925 und 26 eine Wohnhausanlage errichtet und nach Karl Höger benannt. Im Februar 1934 fanden im Hof heftige Kämpfe statt, ein Schutzbündler und eine Frau wurden getötet. 1944 trafen fünfzehn Bomben die Wohnhausanlage, neun Bewohner starben. 1946 wurde von Theodor Körner ein Gedenkstein für die getöteten Bewohner enthüllt, und eine Tafel erinnert an die 1938 von den Nationalsozialisten vertriebenen Hausbewohner.

Am Weg zur Neustiftgasse 1 - Volkstheater

Burggasse 55: "Zum goldenen Stuck": hier war die Glockengießerei von Johann Achamer: der aus 180 von den Osmanen erbeuteten Kanonen 1711 die Pummerin goß.

Burggasse 51: Adlerhof: Durchhaus zur Siebensterngasse 46 mit fünf Höfen und Durchgängen, erbaut 1874.

An der Ecke Burggasse und Breitegasse ist das kleinste Haus Wiens, mit einer Grundfläche von 14 m², geplant vom Architekten Josef Durst.

Denkmäler beim Volkstheater

Direktor Rudolf Beer (1885-1938): Er war von 1924-1932 Direktor des (Deutschen) Volkstheaters. Zeitgenossen sagen über ihn, er sei ein grandioser Direktor mit den tollsten Stücken gewesen.

1930 wurde er mit dem Titel "Bürger der Stadt Wien" ausgezeichnet. 1932 verließ er das Volkstheater, er sollte die Nachfolge von Max Reinhardt in Berlin antreten. Die nach der Machtübernahme Hitlers beschlossenen "Nürnberger Rassegesetze" verboten dem "Mischling", die Stelle anzutreten. Also kehrte Beer nach Wien zurück, lehrte Schauspiel und wurde Chefdramaturg in der Scala. Nach dem "Anschluss" 1938 wurde Beer noch von einem Nazi gewarnt: er solle sich zusammenpacken und das Land verlassen. Doch Beer wollte nicht abreisen. Schließlich wurde er von zwei Nationalsozialisten bei einer Theaterveranstaltung aus einer Loge geholt, zur Einvernahme in die Josefstädter Straße 39 gebracht und schwer misshandelt. Die Nazis fuhren mit dem schwer verletzten Mann zur Höhenstraße und warfen ihn aus dem Auto. Am 9. Mai 1938 nahm sich Beer in seiner Wohnung am Lerchenfeldergürtel das Leben. Die SS-Schergen standen vor der Tür.

Das Denkmal wurde 2008 zum 70. Jahrestag des Einmarsches der NS-Truppen aufgestellt.

Denkmal für die Schauspielerin Hansi Niese (1875-1934) - sie ist nie im Volkstheater aufgetreten.

Quelle: Irene Löwy, Kulturpolitik im Nationalsozialistismus von 1938-1945 Am Beispiel des Deutschen Volkstheaters in Wien, Diplomarbeit, Universität Wien, 2010

Gewerkschaft der Arbeiter der Graphischen und Papierverarbeitenden Gewerbe, Karl Höger, 1847-1947

Karl Höger auf: www.dasrotewien.at (abgerufen am 08.04.2015)


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Karl Höger

von ÖGB