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Haus der Bau- und Holzarbeiter

Schottenfeldgasse 24
1010 Wien

Der Baugewerkschafter Josef Battisti befestigte am 13. April 1945 an dem Gebäude, das 1929 bis 1934 Sitz der freigewerkschaftlichen BauarbeiterInnen war und dann von den beiden Diktaturen einverleibt wurde, ein Schild mit der Aufschrift: „Dieses Haus ist Eigentum der Gewerkschaft der Bau- und Holzarbeiter und steht unter dem Schutz der österreichischen Widerstandsbewegung“. 1945 bis 1960 befand sich hier die Zentrale der Gewerkschaft der Bau- und Holzarbeiter (GBH). Erster Vorsitzender war Johann Böhm, gefolgt von Franz Novy (1900-1949). Dessen Nachfolger war Franz Olah, der von hier aus Gegenaktionen zum von den Kommunisten angeführten und vom ÖGB nicht legitimierten Streik gegen das Lohn- und Preisabkommen im Herbst 1950 organisierte.

Fachvereine

Die ersten Fachvereine, die Vorläuferorganisationen der heutigen Gewerkschaften, können erst nach dem Inkrafttreten des Staatsgrundgesetzes 1867 und Gewerkschaften erst nach der Aufhebung seit 1731 geltenden Koalitionsverbots 1870 gegründet werden. Fachvereine wie die Fachvereine der Vergolder, Maler und Anstreicher, der Maurer- und Steinmetzgehilfen und der Tischler konstituieren sich. 1890 demonstrierten sie mit anderen Arbeiterbewegungen am 1. Mai für den Acht-Stunden-Tag, diskutierten beim ersten Gewerkschaftskongress im Dezember 1893 mit und schließlich schließen sich die einzelnen Vereine im Bauarbeiterverband zusammen. 1928 treten sie dem losen Dachverband "Bund der freien Gewerkschaften" bei. Die Durchsetzungskraft der Fachgewerkschaften sollte durch den Zusammenschluss kleinerer Gewerkschaften zu größeren Verbänden gestärkt und die Kooperationen untereinander gesteigert werden.

Austrofaschismus

Schon 1933 ist den meisten Gewerkschaftern klar, in welche Richtung die Regierung unter Engelbert Dollfuß geht. Sie beginnen, sich für den Widerstand im Untergrund vorzubereiten. Noch während der Februarkämpfe 1934 werden alle sozialdemokratischen Organisationen und Gewerkschaften verboten und fast alle führenden Funktionäre, mindestens 20 Baugewerkschafter, darunter auch der Obmann der österreichischen Baugewerkschaft, Johann Böhm (1886-1959), der Redakteur des "Jungen Bauarbeiters" und spätere Vorsitzende der Baugewerkschaft (1957-1967) Karl Flöttl (1902-1977), verhaftet und ohne Gerichtsverfahren im Anhaltelager Wöllersdorf interniert.

Im April 1935 vereinigen sich auf Reichskonferenz in Prag der Baugewerkschafts- und der Holzarbeiterverband zur Gewerkschaft der Bau- und Holzarbeiter. Zum Vorsitzenden wird Johann Böhm gewählt. Auch der spätere Vorsitzende der Baugewerkschaft (1949-1957) Franz Olah (1910-2009), der 1935 im Gefängnis sitzt, wird in die fünfköpfige Leitung gewählt.

Nach 1945

Nach dem "Anschluss" 1938 flüchten einige Baugewerkschafter wie zum Beispiel Franz Novy (1900-1949), der in London 1943 zum Obmann der sozialdemokratischen "Austrian Labour Club" gewählt wird; andere werden in Konzentrationslager deportiert, Johann Böhm überlebt in Wien. Nach Kriegsende sind die Baugewerkschafter Böhm und Battisti die Gründungsmitglieder des ÖGB. Novy übernimmt nach seiner Rückkehr aus dem Londoner Exil 1946 bis zu seinem Tod 1949 den Vorsitz der Gewerkschaft der Bau- und Holzarbeiter. Ihm folgt der 1945 aus dem Konzentrationslager Buchenwald befreite Franz Olah.

In den ersten Jahren nach Kriegsende bekämpft die Gewerkschaft die Winterarbeitslosigkeit und setzte sich für Budgetmittel zur Ankurbelung der Baukonjunktur ein. Bis heute verhandelt sie die Kollektivverträge. Große Erfolge sind u.a. die Durchsetzung des Arbeiter-Abfindungsgesetzes im Jahr 1979 und die Schaffung einer branchenbezogenen Abfertigungsregelung.

 

Am Weg zur nächsten Station:

Schottenfeldgasse: Schottenfeld hieß die hier gelegene Vorstadt.

Weiter über die Lindengasse: 1913 benannt nach dem Gasthausschild "Zur goldenen Linde" - das auf Hausnummer 24 gelegen war.

Vorbei am Hans-Binder-Hof (rechter Hand): Lindengasse 61-63:

Der Gemeindebau mit 42 Wohnungen wurde zwischen 1962 und 1964 erbaut und 1985 nach Hans Binder (1900-1975) benannt. Der Sohn von niederösterreichischen Weinhauern zieht 1926 nach Deutschland. Er findet Arbeit als Hafenarbeiter. 1920 tritt er der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei in Österreich bei. 1936 wird er von den Nationalsozialisten verhaftet und muss zwei Jahre später "zwangsverpflichtet" auf Helgoland beim Festungsbau mithelfen. Er kehrt nach dem Krieg nach Wien zurück und wird Bezirksrat (1954-1959) und Gemeinde- und Landtagsabgeordneter (1959-1969).

Quelle: Andreas Bilgeri, Die Oktoberstreiks 1950 und der ’Putsch’ als österreichischer Erinnerungsort, Diplomarbeit, Universität Wien, 2011

dasrotewien.at (abgerufen am 08.04.2015)

bau-holz.at (abgerufen am 08.04.2015)

Fritz Klenner, Brigitte Pellar, Die österreichische Gewerkschaftsbewegung, von den Anfängen bis 1999, Wien 1999

Peter Autengruber/Ursula Schwarz: Lexikon der Wiener Gemeindebauten. Namen, Denkmäler, Sehenswürdigkeiten, Wien 2013


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Schottenfeldgasse 24

von ÖGB