Stadtspaziergänge
Spaziergänge weitere Sehenswürdigkeiten Suche Impressum

Redaktionssitz "Die Gewerkschaft"

Neubaugasse 65
1070 Wien

Bereits vor dem ersten Kongress der Freien Gewerkschaften 1893 wurde die Zeitschrift „Die Gewerkschaft“ gegründet. Hier war der erste Redaktionssitz. Die Publikation erschien bis 1922 und wurde 1923 zur bis heute erscheinenden Zeitschrift „Arbeit & Wirtschaft“ umbenannt. Anton Hueber (1861-1935), ab 1895 leitender Sekretär der Gewerkschaftskommission, und Franz Domes (1863-1930), Vorsitzender der Gewerkschaftskommission und späterer Arbeiterkammerpräsident, waren maßgeblich an der Herausgabe des Mediums beteiligt. 

Am Weg zur Gewerkschaftskommission

Unter den seit dem späten 19. Jahrhundert entstehenden Gewerkschaften gibt es immer wieder Spannungen zwischen den "Gemäßigten" und "Radikalen." 1882 verschärft sich die Lage. Einem Wiener Schuhwarenfabrikant werden bei einem Überfall einige hundert Gulden gestohlen. Das Geld sollte in die Parteikasse der "Radikalen" fließen. Einige Monate später, im Dezember 1883 und im Jänner 1884, erschießen Arbeiter zwei für die Überwachung von Sozialisten zuständige Polizisten. Der Reichsrat reagiert prompt: Ende Januar 1884 wird in Wien der Ausnahmezustand verhängt, das Geschworenengericht eingestellt, die Wiener Stadtwacht auf 325 Mann erhöht. Die wichtigsten Publikationen der Sozialdemokratie werden unterdrückt.

Die verschiedenen Gruppierungen der Arbeiterbewegung versuchen, eine Einigung zu finden. Es gelingt ihnen nicht. Erst Victor Adler kann die Arbeiterbewegung vereinen. Am Parteitag vom 30. Dezember bis 1. Januar 1888/89 in Hainfeld wird die Sozialdemokratische Arbeiterpartei Österreichs gegründet und im Parteiprogramm steht u.a., dass starke Gewerkschaften aufgebaut werden sollen. Am Parteitag vereinen sich die Gemäßigte und die Radikalen.

In den 1890er-Jahren gibt es immer wieder Streiks und Proteste der ArbeitnehmerInnen. Doch um ihre Forderungen durchzusetzen, fehlt ihnen die gemeinschaftliche Organisation. Die meisten Streiks bleiben erfolglos, und immer mehr GewerkschafterInnen wird bewusst, dass eine feste Organisation und Streikfonds notwendig sind, um ihre Forderungen gegenüber der Regierung und den ArbeitergeberInnen durchzusetzen.

Ende 1889 gibt es in Österreich bereits 95 Gewerkschaften, 104 Arbeiterbildungs- und Kulturvereine und 71 Kranken- und Invalidenkassen mit rund 60.000 Mitgliedern. Aber jede der Organisationen ist auf sich allein gestellt. Durch die Gründung des Industriellenverbandes erwächst den kleinteilig organisierten ArbeiternehmerInnen ein starker Gegner. Es folgen zahlreiche Fach- und ArbeiterInnentage und es wird beschlossen, eine zentrale Vertretung zu schaffen.

Im Oktober 1892 findet eine große GewerkschafterInnenversammlung statt, die Delegierten wählen ein Komitee, das die Wiener Gewerkschaftsorganisationen bei wichtigen Anlässen zusammenberufen sollte. Aus diesem Komitee entwickelt sich die Provisorische Kommission der Gewerkschaften Österreichs, welche die Vorbereitung für den Ersten Österreichischen Gewerkschaftskongress zu Weihnachten 1893 trifft. Die Kommission steht vor der großen Herausforderung, 134 Gewerkschaftsvereine in der "österreichischen Reichshälfte" zu informieren. Alleine in Wien gibt es bereits 20.202 Gewerkschaftsmitglieder. Man beschließt, im Vorfeld des Kongresses eine Zeitung zu gründen, um mit den GewerkschafterInnen in Kontakt zu bleiben und sie über Fortschritte und Erfolge zu informieren.

Die provisorische Gewerkschaftskommission beauftragt das Erscheinen eines Monatsblattes: "Die Gewerkschaft" Am 15. Juni erschien das Magazin erstmals, und im Juli 1893 erscheint im Blatt die Einladung zum ersten Gewerkschaftskongress.

"Die Gewerkschaft" erscheint bis Ende 1922 als Organ der Reichskommission der Freien Gewerkschaften. In einer der letzten Ausgaben warnt der Journalist Viktor Stein vor dem in Italien entstehenden Faschismus, der gegen die Gewerkschaften vorgeht. Er schließt seinen Bericht damit, dass so etwas in Österreich wohl nie passieren könne. Er irrt sich.

Die Vorständekonferenz der Freien Gewerkschaften beschließt 1922, die Zeitschriften "Die Gewerkschaft," "Werkstatt und Wirtschaft" und "Der Betriebsrat" in einer Zeitschrift zusammenzufassen, in der heute noch erscheinende: "Arbeit und Wirtschaft."

Der damalige Arbeiterkammerpräsident Franz Domes und der Gewerkschafter Anton Hueber wünschen sich die Schaffung eines Organs, "um die Öffentlichkeit, die praktisch und theoretisch an den großen Problemen der Gegenwart arbeitet, die Gedankenwelt der Arbeiterschaft zu eröffnen, in ihrem Reichtum, in ihre Buntheit zu zeigen."

Zwischen 1934 und 1947 erscheint die Zeitschrift nicht. Arbeiterkammerpräsident Karl Mantler holt den Journalisten und ehemaliges Redaktionsmitglied Otto Leichter aus dem Exil zurück und ernennt ihn zum Chefredakteur.

In die Burggasse stadteinwärts abbiegen

Quelle: Brigitte Pellar, 120 Jahre Gerechtigkeit, Der erste große Gewerkschaftskongress und der Weg ins heute, Reihe Zeitgeschichte und Politik Nr. 8, VÖGB, 2014


mehr Information zum Standort


zu den Biographien

A...dein aktueller Standort


B...die nächste Station


C...die übernächste Station







Zurück Weiter

Gewerkschaftskommission 1893

von ÖGB

"Die Gewerkschaft" Ausgabe Nr. 1

von ÖGB