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Gewerkschafts- und Arbeiterkammerhaus

Ebendorferstraße 7
1010 Wien

1920 zog die neu gegründete Kammer für Arbeiter und Angestellte in das Gebäude ein. Ferdinand Hanusch (1866-1923) wurde 1921 Vorsitzender. Der ehemalige Sekretär der Union der Textilarbeiter Österreichs und Vorsitzender der Österreichischen Gewerkschaftskommission (ab 1903) war als Nationalrat maßgeblich an der Sozialgesetzgebung zwischen 1918 und 1920 beteiligt. Zwischen 1925 und 1934 leitete Käthe Leichter (1895-1942) hier das AK-Frauenreferat.

Ab 1921 zog auch die Reichskommission der freien (sozialdemokratischen) Gewerkschaften Österreichs (ab 1928 Bund der Freien Gewerkschaften) unter dem Vorsitz von Anton Hueber ein, ebenso der Reichsverein der Buchbinder und Papierarbeiter Österreichs. Ab 1929 leitete die langjährige Mitarbeiterin der Gewerkschaftskommission Anna Boschek (1874-1957) die von ihr erkämpfte Frauensektion, und die spätere erste Frauenvorsitzende des ÖGB Wilhelmine Moik (1894-1970) war ihre Mitarbeiterin. Mit Kriegsende 1945 wurde das Haus wieder Sitz der Arbeiterkammer und des Gewerkschaftsbundes.

Am 30. April 1945 wurden hier der provisorische ÖGB-Bundesvorstand und die provisorischen Vorsitzenden gewählt: 1. Johann Böhm, 2. Gottlieb Fiala (1891-1970), 3. Lois Weinberger (1902-1961). 1948 übersiedelte der ÖGB in die Hohenstaufengasse. 1959 zog die AK aus, und die Gewerkschaft der Bau- und Holzarbeiter übernahm die Räumlichkeiten.

Gründung der Arbeiterkammern

Die Gründung der Arbeiterkammer geht auf eine Forderung der Freien Gewerkschaften zurück, ein "Schutzschild" für die sozialen Errungenschaften einzurichten. Im Februar 1920 wird ein diesbezügliches Gesetz erlassen, und 1921 wird die Arbeiterkammer der Handelskammer rechtlich gleichgestellt.

1920 zieht die Arbeiterkammer in das Gebäude des ehemaligen Landwirtschaftsministerium der Monarchie ein; 1921 die Reichskommission der Freien sozialdemokratischen Gewerkschaften Österreichs unter dem Vorsitz von Anton Hueber (1861-1935), der Reichsverein der Buchbinder und Papierarbeiter.

Frauen in der AK und im ÖGB

Ab 1928 leitet die ehemalige Sekretärin der Chemiearbeiter, Geschäftsführerin des Frauenreichskomitees und Obfrau des "Vereins der Heimarbeiterinnen" Anna Boschek (1874-1957) die Frauenorganisation, und auch die spätere erste Frauenvorsitzende des ÖGB Wilhelmine Moik (1894-1970) arbeitet hier. Zwischen 1925 und 1934 leitet Käthe Leichter (1895-1942/KZ Ravenbrück) hier das von ihr geschaffene AK-Frauenreferat, arbeitet eng mit der Frauenabteilung der Freien Gewerkschaften und SDAP zusammen und hielt BetriebsrätInnen- und FunktionärInnenschulungen ab.

Studienbibliothek

1922 richtet die AK die Sozialwissenschaftliche Studienbibliothek ein. Der Kernbestand kam aus den Privatbibliotheken Victor Adlers, des Sozialisten und Theatergründers Engelbert Pernerstorfer (1850-1918), des Reichsratsabgeordneten Leopold Winarskys (1873-1915) und des Universitätsprofessors Anton Menger (1841-1906). Nach den Februarkämpfen 1934 verschließt das Ständestaat-Regime den Zugang. Der Bildungsreferent der gleichgeschalteten Arbeiterkammer und spätere KPÖ-Kulturstadtrat Viktor Matejka rettet so viele Bücher wie möglich. Die Nationalsozialisten bringen die Bestände der Bibliothek 1938 in die Zentrale der Deutschen Arbeitsfront nach Berlin. Nur 30.000 von 140.000 Büchern können nach 1945 wieder gefunden werden.

Austrofaschismus

Nach der Niederschlagung der Februarkämpfe durch die Regierung Dollfuß und dem Verbot der Gewerkschaften findet hier Anfang März 1934 die zweite Besprechung zur Gründung des "Siebenerkomitees", Untergrundorganisation der nun illegalen Freien Gewerkschaften, statt.

Der Austrofaschismus (1934-1938) ersetzt die gewählte Selbstverwaltung der AK durch ernannte Verwaltungsräte und wandelt die AK zu Geschäftsstellen des staatlich eingesetzten "Gewerkschaftsbundes der österreichischen Arbeiter und Angestellten" (Einheitsgewerkschaft) um. Beiden Institutionen steht der frühere Zentralsekretär der christlichen Reichsgewerkschaftskommission Johann Staud (1882/1939 KZ Flossenbürg) vor. Zwischen 1938 und 1945 übernimmt die "Deutsche Arbeitsfront" das Gebäude.

Gründung des ÖGB

In der Gründungsphase der Zweiten Republik ziehen der neu gegründete ÖGB und die wieder gegründete AK neuerlich in das Haus ein. Am 21. April 1945 findet hier eine entscheidende Versammlung zum organisatorischen Aufbau des ÖGB statt. Am 20. Juli 1945 beschließt die Regierung die Wiedererrichtung der Arbeiterkammern. Im Auftrag von ÖGB-Präsident Johann Böhm (1886-1959) beginnt ein kleines Team unter der Leitung des zukünftigen Vizekanzlers (1957-1966) Bruno Pittermann (1905-1983) als Erster Sekretär und unter Mitarbeit des zukünftigen Vorsitzenden der Gewerkschaft der Lebens- und Genussmittelarbeiter (1960-1989) Josef Staribacher (1921-2014) mit dem Aufbau der Organisation. Von 1945-1956 ist der Lebens- und Genussmittelgewerkschafter Karl Mantler Präsident der Arbeiterkammer. Von 1956 bis 1964 Karl Maisel, der auch Obmann der Gewerkschaft der Metallarbeiter und ab 1949 Bundesminister für soziale Verwaltung und zwischen 1948 und 1959 Vizepräsident des ÖGB ist.

In den ersten drei Jahren nutzen Arbeiterkammer und ÖGB gemeinsam die Büros, dann übersiedelt der ÖGB in die Hohenstaufengasse und überlässt die Räumlichkeiten der Gewerkschaft der Arbeiter im Hotel und Gastgewerbe. 1952 zieht die 1948 entstandene eigenständige AK Niederösterreich in die Wipplingerstraße neben dem ÖGB ein, und 1959 übersiedelt die jetzt nur mehr für die Bundeshauptstadt zuständige Kammer für Arbeiter und Angestellte für Wien in ihr neues Gebäude in der Prinz-Eugen-Straße.

Die Büroräume der Arbeiterkammer übernimmt die Gewerkschaft der Bau- und Holzarbeiter, später "Gewerkschaft Bau-Holz" bis 2009.

Gedenktafeln am Gebäude:

Die Gewerkschaft Bau-Holz bringt 1955 eine Tafel an, um die Zielsetzungen des ÖGB zu unterstreichen und den Funktionären für ihr rasches Eingreifen im Jahr 1950 zu gedenken. Die Initialen von Käthe Leichter sind an der Fassade angebracht.

Gebäude:

Das Gebäude wurde zwischen 1882-1883 von Heinrich von Ferstel und Karl Köchlin im Wiener Stil der Neorenaissance erbaut.

Auf dem Weg zum Rathaus:

Felderstraße benannt 1899 nach dem Rechtsanwalt, liberalen Wiener Bürgermeister Cajetan von Felder (1814-1894) benannt. Einbiegen in die Reichsratstraße (1873 nach dem Reichsratsgebäude - dem heutigen Parlament benannt) zum Rathausplatz.

Quelle: AK: AK- und ÖGB-Geschichte (abgerufen am 08.04.2015)

Walter Göhring, Brigitte Pellar, Ferdinand Hanusch, Aufbruch zum Sozialstaat, ÖGB Verlag, 2003

Walter Göhring (Hg.) Anna Boschek, Erste Gewerkschafterin im Parlament, Biographie einer außergewöhnlichen Arbeiterin, ÖGB und Arbeiterkammer, 1998

Wolfgang Maderthaner, Ulrike Weber-Felber, 100 Jahre Gewerkschaftsbewegung 1983-1993, Ausstellung


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